Kategorie: 'Briefe / Gedichte'

Ein kleines Gedicht

DIE ZEIT

Sie kommt, um zu geh’n, rieselt wie der Sand
gnadenlos durch uns’re Hand.
Sie kommt, um zu geh’n, stellt ihre Fragen,
nimmt und gibt an allen Tagen.

Nichts hält sie auf, sie gleitet dahin,
mal hat sie viel, mal wenig Sinn,
sie schleicht davon, fast unbemerkt,
hat uns gebeutelt und gestärkt,

Läßt uns vergessen manches Leid,
heilt Wunden nach gewisser Zeit,
ist die, mit der man sich verband,
und eine, die man nicht verstand.

Sie schenkt uns Muße, schenkt uns Glück,
verzehrt den schönsten Augenblick,
macht alt und bleibt doch ewig jung,
ist die Zukunft und Erinnerung.

Sie kommt und rieselt durch die Hand,
gnadenlos wie dünner Sand.
Vielleicht tut’s ihr ja selber leid-
es ist halt die ZEIT.


Gudrun Martin

Gedicht ‘Weihnachtsplätzchen’

Frau Schmidt hat ihre Weihnachtsplätzchen
zu ihrer Nachbarin gebracht,
damit ihr Willi, dieses Schätzchen,
sich nicht daran zu schaffen macht.
Sehr oft erlebte es Ottilie,
dass er die Plätzchen heimlich aß,
so dass beim Christfest die Familie
vor ziemlich leeren Tellern saß.
Um neuen Pannen zu entgehen,
ersann sie diese Hinterlist
ihr Ehemann hat einzusehen,
dass Naschen streng verboten ist.
Der sucht bereits in allen Ecken,
in jeder Kiste, jedem Schrank,
doch nirgends kann er was entdecken,
der Zustand macht ihn richtig krank.
Die Freud auf die Weihnachtsfeier
Ist ihm verdorben und vergällt,
weil ihm die Gattin heuer
die Leckereien vorenthält.
Er wird’s dem Weibervolk schon zeigen!
Am Heiligabend sitzt er dann
gekränkt herum, hüllt sich in Schweigen
und rührt kein einzig Plätzchen an.
Selbst die Geschenke lässt er liegen,
er brummelt nur, bedankt sich kaum,
er wolle vorher sein Vergnügen
und nicht erst unterm Tannenbaum.
Das weihnachtliche Fest der Liebe
missrät bei Schmidts denn auch komplett -
der Glanz ist hin, die Stimmung trübe,
man trennt sich früh und geht zu Bett.
Im nächsten Jahr gibt’s keine Mätzchen,
dann nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Ottilie backt wie immer Plätzchen,
und Willi isst sie wieder auf.
Nie wieder werden Süssigkeiten
an unbekannten Ort versteckt.
Soll man sich Heiligabend streiten?
Hauptsache Willi hat’s geschmeckt!
Das Plätzchen vor dem Fest verschwinden,
ist schließlich guter, alter Brauch.
Und ist kein Krümel mehr zu finden,
so tut’s ein Gänsebraten auch.

Gesegnete Weihnachten 2009

Liebe LandFrauen,

Wir wünschen Ihnen und Euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest mit Zeit für Gedanken an den Sinn von Weihnachten,

für einen Gottesdienstbesuch,
für ein Treffen in der Familie ohne Hektik und Stress,
für einen Spaziergang,
für ein gutes Buch am Tannenbaum mit Lichterglanz.

Wir wünschen Ihnen und Euch eine Zeit des Innehaltens und für einen ganz persönlichen Jahresrückblick.

Wir wünschen Ihnen und Euch einen ruhigen Jahresausklang und einen guten Rutsch ins neue Jahr mit viel Gesundheit.

Gesegnete Weihnachten.

ILSEMARIE DRALLE  und der Vorstand des Kreisverbandes der LandFrauen Gifhorn Süd

ein kleines Gedicht …

Vor der Ernte


Nun störet die Ähren im Felde

Ein leiser Hauch,

Wenn eine sich beugt, so bebet

Die andre auch.

Es ist, als ahnten sie alle

Der Sichel Schnitt -

Die Blumen und fremden Halme

Erzittern mit.


Martin Greif (Friedrich Hermann Frey), 1909